Ob eins in Wien vielseitig und erfüllend raven kann, darüber scheiden sich die Geister. Zum Jahresende habe ich völlig unprofessionell, aber nicht ganz wahllos Facebook-Nachrichten an einige Wiener DJs, Veranstalter_innen und Raver_innen geschickt, was denn die lokale Techno-Szene 2010 auf die Beine gestellt oder verkackt habe, wohin es 2011 gehe und wer mitkommen dürfe.
Thielephon (Hertzbeat/female:pressure), Tamara Mascara (HOMO/Lashline), Artronik (BLUB), TheNobleSavage (Did you know…?/Woot?!), Disco Demons (Wearethesh.it/backlab), Klüb Musik und ein weiterer ließen ein Stimmungsbild entstehen, über dem der Stern der Pratersauna gemeinsam mit dem fluc den Weg leuchtet. „Berlin à lá Wien“ macht den Reiz des zweitplazierten De:Bug Club des Jahres aus – und ist zugleich sein größtes Manko, „weil sich dort eine aufgeblasene Szene entwickelt hat. Dort steht man dann am Dancefloor, sieht spitzenmäßig und teuer aus, schunkelt und grämt sich nach Koks oder MDMA, um den Drive, der eigentlich aus der Selection kommen soll zu finden.“ (TheNobleSavage). Auch Disco Demons diagnostiziert dem Publikum, „eindeutig zu posh für ‘underground Partys’ (insofern es so etwas in Wien überhaupt noch gibt)“ zu sein.
Nun haben wir einen international anerkannten Club – aber sind wir glücklich? Ziemlich einstimmig: Nein! Es fehlen … „mehr Clubs, mehr Warehouse-Partys, mehr Off-Locations etc. und: eine Panoramabar!“ (Disco Demons), Wir brauchen „mehr Mut zu Neuem! Mehr Gehype! Ein Fanzine über die Wiener Nachtszene“ (TheNobleSavage). Der Klüb: „Was mir aber fehlt ist das Sprengen derzeitiger Muster!“ Und eine, die wie keine andere den Punkt trifft, ist Tamara Mascara: „Wiens Publikum fehlt es trotzdem an Verständnis. Überall sonst haben die Leute einfach Spaß … dem Wiener muss der Spaß vor die Füße gelegt werden.“
Gefeiert wird in der Pratersauna, fluc, Elektro Gönner, brut, Market, Venster, Flex, Camera, Donau, Morisson, Celeste, Badeschiff, Planetarium (R.I.P.), Rhiz, Otto-Wagner-Pavillon, Venster.
Gemieden werden Flex, Camera Club, Pratersauna, Club Couture „und ähnliche Schwimmbecken“ (Tamara Mascara), Praterdome, Viper Room, sämtliche Gürtellokale, Volksgarten.
Gut aufgelegt/live: Ken Hayakawa, Ina D, Fauna, Masha Dabelka, Denis Yashin, Tamboo, Edgar Retro, Laminat, Möller, Moogle, Fux, Plak, Gerald van der Hint, Markus Lindner, Clemens Neufeld, Dorian Concept, Komaton, Roman Rauch, Dirty Dabrowski, Elektro Guzzi, Tankris, Nitro Mahalia. Alexandra augustin, David Jerina, Mäx Egger, Major Näse, Sheriff Melone, die ganze Pling-Plong Posse, Pinie + Matt von myy bitch club, Objet a, Direct, Eric Kin
* Ken Hayakawa: Wien bei Nacht.
Aus der Kolumne: “Asphalt & Neonlicht”
Credits/Thanks to: ihf (objeta.backlab.at)
Erschienen in: UNIQUE, Januar 2011
