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Feb 2011 10

Ob eins in Wien vielseitig und erfüllend raven kann, darüber scheiden sich die Geister. Zum Jahresende habe ich völlig unprofessionell, aber nicht ganz wahllos Facebook-Nachrichten an einige Wiener DJs, Veranstalter_innen und Raver_innen geschickt, was denn die lokale Techno-Szene 2010 auf die Beine gestellt oder verkackt habe, wohin es 2011 gehe und wer mitkommen dürfe.

Thielephon (Hertzbeat/female:pressure), Tamara Mascara (HOMO/Lashline), Artronik (BLUB), TheNobleSavage (Did you know…?/Woot?!), Disco Demons (Wearethesh.it/backlab), Klüb Musik und ein weiterer ließen ein Stimmungsbild entstehen, über dem der Stern der Pratersauna gemeinsam mit dem fluc den Weg leuchtet. „Berlin à lá Wien“ macht den Reiz des zweitplazierten De:Bug Club des Jahres aus – und ist zugleich sein größtes Manko, „weil sich dort eine aufgeblasene Szene entwickelt hat. Dort steht man dann am Dancefloor, sieht spitzenmäßig und teuer aus, schunkelt und grämt sich nach Koks oder MDMA, um den Drive, der eigentlich aus der Selection kommen soll zu finden.“ (TheNobleSavage). Auch Disco Demons diagnostiziert dem Publikum, „eindeutig zu posh für ‘underground Partys’ (insofern es so etwas in Wien überhaupt noch gibt)“ zu sein.

Nun haben wir einen international anerkannten Club – aber sind wir glücklich? Ziemlich einstimmig: Nein! Es fehlen … „mehr Clubs, mehr Warehouse-Partys, mehr Off-Locations etc. und: eine Panoramabar!“ (Disco Demons), Wir brauchen „mehr Mut zu Neuem! Mehr Gehype! Ein Fanzine über die Wiener Nachtszene“ (TheNobleSavage). Der Klüb: „Was mir aber fehlt ist das Sprengen derzeitiger Muster!“ Und eine, die wie keine andere den Punkt trifft, ist Tamara Mascara: „Wiens Publikum fehlt es trotzdem an Verständnis. Überall sonst haben die Leute einfach Spaß … dem Wiener muss der Spaß vor die Füße gelegt werden.“

Gefeiert wird in der Pratersauna, fluc, Elektro Gönner, brut, Market, Venster, Flex, Camera, Donau, Morisson, Celeste, Badeschiff, Planetarium (R.I.P.), Rhiz, Otto-Wagner-Pavillon, Venster.

Gemieden werden Flex, Camera Club, Pratersauna, Club Couture „und ähnliche Schwimmbecken“ (Tamara Mascara), Praterdome, Viper Room, sämtliche Gürtellokale, Volksgarten.

Gut aufgelegt/live: Ken Hayakawa, Ina D, Fauna, Masha Dabelka, Denis Yashin, Tamboo, Edgar Retro, Laminat, Möller, Moogle, Fux, Plak, Gerald van der Hint, Markus Lindner, Clemens Neufeld, Dorian Concept, Komaton, Roman Rauch, Dirty Dabrowski, Elektro Guzzi, Tankris, Nitro Mahalia. Alexandra augustin, David Jerina, Mäx Egger, Major Näse, Sheriff Melone, die ganze Pling-Plong Posse, Pinie + Matt von myy bitch club, Objet a, Direct, Eric Kin

* Ken Hayakawa: Wien bei Nacht.


Aus der Kolumne: “Asphalt & Neonlicht”
Credits/Thanks to: ihf (objeta.backlab.at)
Erschienen in: UNIQUE, Januar 2011

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Jan 2011 08

Etwas verkatert von einer feucht-fröhlichen Nacht an der Seine steige ich in den Flieger Richtung Heimat. Als Bordliteratur wird mir von der pink-schwarzen NIKI-Dame die Presse mit der Headline “Ungarn holpert in die EU-Präsidentschaft” gereicht. Unter des ist das Ungarische Medienaufsichtgesetz in aller Munde und EU-Häuptling Barroso selbst kämpft munter gegen das unverbindliche Lächeln von Viktor O. aus Budapest.

Tja, die liebe Pressefreiheit..mit ihr ist das so eine Sache…und mit dem anspruchsvollen Journalismus auch: DORT WO SIE SCHREIBEN KÖNNEN, DÜRFEN SIE NICHT – DORT WO SIE DÜRFEN, TUN SIE ES NICHT. Das scheint das neue Motto der Medienqualität zu sein.

Hierzulande degradiert das drittgrößte landesweite Online-Portal des staatlichen Rundfunks zu einem schlechten Abklasch seines eigenen Confetti TVs und berichtet munter über Weltereignisse wie den Verkauf der Brustimplantate von Kelly Osbourne oder die “Befreiung der Meerjungfrau” durch Starbucks. Bei kolportierten 10.6 Mio EUR Anzeigeneinnahmen sollte man sich doch ein paar gute Texter leisten können?

Ja, Medienmacher klagen über die Gratiskultur des Webs und sinkende Einnahmen aus dem Printbereich – ergo der Billigjournalismus. Angeblich.

Früher hatte ich ein schlechtes Gewissen, Zeitungen zu stehlen. Heute zahlt es sich oft einfach nicht mehr aus…


K-Empfehlungen:

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Dec 2010 18

6 Tage vor Weihnachten und T+2 in der Zeitrechnung der Wikileaks-Jünger nach der Freilassung Julian Assanges wird es Zeit, nach einer unibedingten Pause wieder den Blog zu entstauben.
Wir ersparen uns an dieser Stelle pathetische Abhandlungen über Sir Julian & die Informationsfreiheit und verweisen dezent auf unseren Mirror: wikileaks.konceptresearch.org

Ob man DOS-Attacken – wie jene auf Mastercard oder Paypal – im Sinne der Versammlungsfreiheit jedoch als Demonstration sehen kann, finden wir hingegen eine interessante Frage. Im Rahmen eines virtuellen Lebens, in dem wir Freunde adden, Mail abholen, Kommentare liken und so ziehmlich alles online kaufen – warum nicht auch online demonstrieren? DOS-Attacken als kurzfristige und harmlose Flashmobs von noch harmloseren Teenagern [wir sind in den AnonOps IRCs rumgehangen während dort Amazon & PP "gehackt" wurde - das Ganze auf dem lulz Level] ….regt zum Philosophieren an & harmoniert gut mit Glühwein, noch besser mit Glühmost.

Wo wir auch schon beim eigentlichen Thema wären: ALLE JAHRE WIEDER. “Heuer schenk mer uns ämal nix“. Hoffentlich halten sich die anderen diesmal daran….und wenn nicht, sollte ich dringend herausfinden, was die da planen, um selbst nicht >>ohne<< dazustehen…Christmas Leaks! Das wär die Lösung, liebes Christkind…ähm..lieber Julian.

K wünscht Euch allen schöne Feiertage!

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Nov 2010 27

Kinderpornographie ist böse. Abscheulich. Bestrafenswert. So weit so schlecht. Da sind wir uns einig.

Seit 2008 diskutiert man in unserem Lieblingsnachbarland (D) daher angeregt die Für und Widers sogenannter Netzsperren. Wer den medialen Rummel darüber via hierzulande etablierter Privatsender mitverfolgte, kennt aber den nunmehr wortgewordenen Erguss dieser Debatten – im Amtsdeutsch liebevoll >> Zugangserschwerungsgesetz << genannt und seit Februar 2010 in Kraft.
Pikantes Detail am Rande: unmittelbar nach Inkrafttreten wies das Bundesinnenministerium das BKA per Verordnung an, nun doch keine Sperrlisten zu erfassen. Vorerst. Wurde man hellhörig?

Das Internet sollte frei sein. Unbeschränkt. Unzensiert. So weit so gut. Doch real?

Wir sollten uns fragen, ob in diesem Fall wirklich Kriminalitätsbekämpfung das (politische) Hauptziel ist. Denn in Hamburg etwa teilen sich 1.450 Kriminalpolizisten gerade mal 60 Rechner– die Armen! Eine Horrorvision für jeden Normaluser. Und wie viele kümmern sich um die Kinderpornos? 30. Allerdings im gesamten BKA. Deutschlandweit. Netzsperren als einziger Ausweg gegen Kinderpornos? Oder schafft man hier nun “rein vorsorglich” Möglichkeiten für ein Vorgehen, dass uns eigentlich nur aus Ländern wie China offiziell bekannt ist?
By the way, alles Gute zum Nobelpreis, Liu Xiaobo!